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Strom, Gas, Wasser

Strom, Gas und Wasser in Portugal: das Zuhause zum Laufen bringen

Licht an, warmes Wasser, der Herd läuft – wie du dein portugiesisches Zuhause zum Laufen bringst. Warum Strom und Gas liberalisiert sind (du wählst), Wasser aber ein kommunales Monopol ist, was du zum Anmelden brauchst (NIF, IBAN, CPE/CUI) und wo Gasflaschen statt Erdgas normal sind.

11 Min. Lesezeit · 🇵🇹 Portugal

Strom, Gas und Wasser in Portugal: das Zuhause zum Laufen bringen

Strom und Gas sind in Portugal liberalisiert: Du wählst deinen Anbieter selbst (EDP und viele andere) und vergleichst über den offiziellen ERSE-Simulator. Wasser dagegen ist ein kommunales Monopol – pro Gemeinde gibt es genau einen Versorger, ohne Wahl. Für alle drei brauchst du deinen NIF, ein portugiesisches IBAN und einen Adressnachweis. Wo kein Erdgasnetz liegt, kochst und heizt du mit Gasflaschen.

Es sind die kleinen Dinge, an denen man merkt, dass man wirklich angekommen ist: das erste Mal das Licht anschalten in der eigenen Küche, warmes Wasser aus dem Hahn, der Kessel, der leise zu pfeifen beginnt. Ein Zuhause zum Laufen zu bringen klingt nach Nebensache – bis man vor drei fremden Systemen steht und nicht weiß, wo man anfängt. Machen wir es einfach.

Strom: die Welt der freien Wahl

Portugals Strommarkt ist liberalisiert (mercado livre). Das heißt: Du suchst dir deinen Versorger aus. EDP ist der größte, aber längst nicht der einzige – es gibt eine ganze Reihe von Anbietern mit unterschiedlichen Tarifen. Ein neutraler Vergleich gelingt am besten über den Simulator der Regulierungsbehörde ERSE. Daneben existiert noch ein regulierter Grundversorger als Auffangnetz, aber die meisten sind heute im freien Markt.

Zwei Begriffe, die dir begegnen werden: Der CPE (Código de Ponto de Entrega) ist die Kennnummer deines Stromanschlusses – du findest ihn auf jeder alten Rechnung der Adresse. Und die „potência contratada" ist die vertraglich vereinbarte Anschlussleistung in kVA; sie bestimmt, wie viele Geräte du gleichzeitig betreiben kannst, und beeinflusst den fixen Teil deiner Rechnung. Beim Tarif wählst du zwischen einfach (simples, überall gleicher Preis) und zeitabhängig (bi- oder tri-horária, günstiger nachts).

Zum Anmelden brauchst du: Ausweis oder Reisepass, deinen NIF, ein portugiesisches IBAN (für die übliche Zahlung per Lastschrift, débito direto), sowie eine frühere Rechnung der Adresse oder den CPE, dazu einen Nachweis über deine Berechtigung an der Wohnung (Miet- oder Kaufvertrag, atestado de residência). Existiert schon ein Zähler – der Normalfall in einer bewohnten Wohnung – machst du meist nur eine Umschreibung (mudança de titularidade), keinen Neuanschluss. Die Anmeldung ist kostenlos, die Einschaltung dauert im Schnitt rund fünf Werktage. Fehlt ein Zähler ganz, beantragst du zuerst den Netzanschluss beim Netzbetreiber E-Redes.

Ein angenehmes Detail zum Sparen: Auf die ersten 200 kWh pro Monat (bei größeren Haushalten 300) gilt bei Anschlüssen bis 6,9 kVA der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 6 % statt 23 %.

Gas: Leitung oder Flasche

Beim Gas hängt alles davon ab, wo du wohnst. Erdgas (gás natural) gibt es nur, wo das Leitungsnetz hinreicht – meist in Städten und dichter besiedelten Gegenden. Dann kontrahierst du es wie Strom über einen Anbieter (oft im Kombi-Angebot mit Strom), brauchst die Gas-Kennnummer CUI und für eine neue Installation einen gültigen Prüfnachweis.

Auf dem Land und in weiten Teilen des Landesinneren aber ist Erdgas gar nicht verfügbar. Dort ist Flaschengas (gás de botija bzw. garrafa) der Alltag: orangefarbene oder graue Gasflaschen, die du beim örtlichen Händler oder an der Tankstelle tauschst. Das klingt erst mal ungewohnt, ist aber eingespielte Normalität – Millionen Portugiesen kochen und heizen so. Wenn du eine ländliche Immobilie ins Auge fasst, ist das eine der ersten Fragen: Erdgas oder Flasche?

Wasser: das lokale Monopol

Hier funktioniert es genau umgekehrt zum Strom: Du hast keine Wahl. Jede Gemeinde hat genau einen Wasserversorger – mal eine kommunale Gesellschaft, mal die Câmara Municipal selbst. Reguliert wird das Ganze national von der Behörde ERSAR. Deinen zuständigen Versorger findest du am schnellsten im Kopf einer alten Wasserrechnung der Adresse oder über deine Gemeinde.

Der Vertrag läuft unkompliziert: Ausweis, NIF, Adressnachweis – ähnlich wie beim Strom. Als grobe Orientierung liegen Wasser und Abwasser bei durchschnittlichem Verbrauch bei rund 25 € im Monat, wobei die Preise von Gemeinde zu Gemeinde schwanken. Häufig läuft die Müllabfuhr (lixo) gleich über dieselbe Rechnung. Und eine Nachricht, die viele überrascht: Das Leitungswasser ist in Kontinental-Portugal sicher trinkbar – die Konformitätsraten liegen über dem EU-Durchschnitt. Die Härte des Wassers schwankt regional, die Sicherheit nicht.

Madeira und die Azoren

Auf den Inseln laufen Strom und Gas über eigene regionale Versorger – auf den Azoren die EDA, auf Madeira die EEM – und das Wasser wie auf dem Festland über die lokale Gemeinde. Das Prinzip bleibt gleich, nur der Name auf der Rechnung ist ein anderer.

Der Generalschlüssel für alle drei

Wenn du eines mitnimmst, dann das: Halte vor dem Umzug drei Dinge bereit – deinen NIF, ein portugiesisches Bankkonto mit IBAN und, wenn möglich, eine alte Rechnung der Wohnung (dort stehen CPE, CUI und dein Wasserversorger). Damit sind Strom, Gas und Wasser an ein, zwei Nachmittagen erledigt. Bezahlt wird bequem per Lastschrift; die Zählerstände meldest du je nach Anbieter online, telefonisch oder per App.

Was in andere Kapitel gehört

Deinen Adressnachweis (das atestado de residência der Junta de Freguesia) und die Anmeldung selbst behandeln wir im Kapitel „Anmeldung und Wohnsitz". Und wenn du eine Immobilie kaufst, findest du das Drumherum im Kapitel „Immobilien und Notar".

Am Ende bleibt

Drei Systeme, drei Logiken – aber keine Hürde, die dich aufhält. Ein liberaler Strommarkt, in dem du frei wählst; ein Wassermonopol, das dir die Wahl abnimmt; und Gas, das entweder aus der Leitung oder aus der Flasche kommt. Mit NIF, IBAN und einer alten Rechnung in der Hand drehst du bald selbst am Hahn, machst das Licht an und stellst den Kessel auf. Und in genau diesem Moment ist aus der Wohnung ein Zuhause geworden.

Stand: 16.7.2026