🏥 Gesundheit & Krankenversicherung
Krankenversicherung in Rumänien — der Leitfaden für EU-Bürger
Als EU-Bürger hast du in Rumänien mehrere Wege zur Krankenversicherung — und welcher der richtige ist, hängt vor allem davon ab, ob du Rentner, Arbeitnehmer oder ohne eigenes Einkommen bist. Hier erfährst du, warum die EHIC bei dauerhaftem Wohnsitz nicht ausreicht, wie das Formular S1 für Rentner funktioniert und was das staatliche System wirklich leistet.
Das rumänische Gesundheitssystem beruht auf einer staatlichen Pflichtversicherung, verwaltet von der CNAS (Casa Națională de Asigurări de Sănătate). Finanziert wird sie über einen Krankenversicherungsbeitrag namens CASS, der 2026 bei rund 10 % des Einkommens liegt. Wer in Rumänien dauerhaft wohnt und arbeitet, ist über dieses System abgesichert. Für Auswanderer ist die Frage aber: Welcher Weg führt für dich konkret in die Versicherung? Das hängt stark von deiner Lebenssituation ab.
Der häufigste Irrtum: Die EHIC reicht nicht
Viele EU-Bürger glauben, mit der Europäischen Krankenversicherungskarte (EHIC) in Rumänien dauerhaft abgesichert zu sein. Das ist ein gefährlicher Trugschluss. Die EHIC ist für vorübergehende Aufenthalte gedacht — Urlaub, kurze Reisen. Sobald du deinen festen Wohnsitz nach Rumänien verlegst, wird das rumänische System primär zuständig. Die EHIC deckt dann keine planbaren Behandlungen, keine Privatkliniken und keinen Krankenrücktransport ab. Wer dauerhaft hier lebt, muss seine Absicherung also aktiv regeln.
Weg 1: Als Rentner mit dem Formular S1
Für Rentner ist dies in der Regel der beste und günstigste Weg. Wenn du als deutscher Rentner deinen Wohnsitz nach Rumänien verlegst, kannst du bei deiner deutschen Krankenkasse das Formular S1 (früher E121) beantragen. Dieses legst du der zuständigen rumänischen Krankenkasse vor und erhältst dort eine Versichertenkarte. Damit hast du Anspruch auf dieselbe medizinische Versorgung wie ein einheimischer Versicherter — die Kosten trägt weiterhin deine deutsche Kasse, solange Deutschland für deine Rente zuständig ist.
Wichtig: Das funktioniert nur, solange du ausschließlich Einkünfte aus der deutschen Rentenversicherung beziehst. Nimmst du in Rumänien eine Beschäftigung auf oder erhältst eine zusätzliche rumänische Rente, kann der deutsche Schutz verloren gehen. Beantrage das S1 am besten schon vor dem Umzug bei deiner Kasse.
Weg 2: Als Arbeitnehmer oder Selbstständiger (CASS)
Wer in Rumänien arbeitet, zahlt automatisch den Krankenversicherungsbeitrag CASS von rund 10 % des Bruttoeinkommens — bei Angestellten wird er direkt vom Lohn einbehalten. Damit bist du über die CNAS versichert. Beachte aber: Wer neu ins System einzahlt, hat nicht sofort vollen Leistungsanspruch. Üblicherweise ist eine Beitragszeit von etwa sechs Monaten nötig, bis der gesetzliche Schutz vollständig greift. Diese Lücke am Anfang solltest du einplanen.
Weg 3: Freiwillig versichern oder privat absichern
Bist du weder Rentner mit S1 noch erwerbstätig, kannst du dich freiwillig bei der CNAS versichern. Die rumänischen Beiträge gelten im EU-Vergleich als sehr niedrig. Die genaue Höhe und die Modalitäten der freiwilligen Beitragszahlung ändern sich allerdings immer wieder — kläre den aktuellen Betrag direkt beim örtlichen CNAS-Büro, bevor du dich darauf verlässt.
Viele Auswanderer kombinieren die staatliche Grundabsicherung zusätzlich mit einer privaten Krankenversicherung. Internationale Anbieter starten je nach Alter und Gesundheitszustand bei wenigen Dutzend Euro im Monat. Das ist vor allem für den Zugang zu Privatkliniken, kürzere Wartezeiten und englisch- oder deutschsprachige Ärzte interessant.
Hausarzt, Notfall und der Alltag
Erste Anlaufstelle im rumänischen System ist der Hausarzt (medic de familie), bei dem du dich in einer örtlichen Praxis einschreibst. Er überweist dich bei Bedarf an Fachärzte. Eine Liste der Vertragsärzte und -kliniken findest du über die CNAS. Im Notfall gilt — wie überall in der EU — die einheitliche Notrufnummer 112.
Ehrlich gesagt: Wo das System an Grenzen stößt
Rumäniens staatliche Versorgung ist günstig, aber sie hat strukturelle Schwächen. In ländlichen Regionen ist die Versorgung dünner, Wartezeiten können lang sein, und Zuzahlungen oder inoffizielle Zahlungen kommen vor. In den größeren Städten — Bukarest, Cluj-Napoca, Timișoara, Iași — ist die medizinische Versorgung dagegen gut, und das private Klinikangebot ist breit. Unser ehrlicher Rat: Verlasse dich als Auswanderer nicht allein auf die EHIC, kläre frühzeitig deinen Weg in die CNAS (für Rentner: das S1) und prüfe, ob eine ergänzende private Absicherung für deine Situation sinnvoll ist.